Neue Herausforderungen für IT und Fachbereiche

Die Digitalisierung bringt für Unternehmen viele Veränderungen mit sich. IT und Fachbereiche müssen sich dabei ganz neuen Herausforderungen stellen. Wir, als All for One Steeb, unterstützen unsere Kunden dabei und sind in ständigem Austausch mit ihnen, um Lösungen für morgen zu entwickeln.
Christian Traumann, Geschäftsführender Direktor und CFO bei MULTIVAC, haben wir an seinem Firmensitz in Wolfertschwenden besucht und mit ihm über Industrie 4.0 und die Herausforderungen der Digitalisierung gesprochen.


Guten Tag, Herr Traumann. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für das Gespräch nehmen.

Guten Tag, sehr gerne.

Lassen Sie uns direkt einsteigen. MULTIVAC ist groß, erfolgreich und weltweit d e r Hersteller von Verpackungslösungen schlechthin. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten mittel- oder längerfristigen Herausforderungen für MULTIVAC? Welche davon sehen Sie als typisch für ein großes mittelständisches internationales Fertigungsunternehmen?

Natürlich gibt es sehr viele Herausforderungen für ein schnell wachsendes internationales Unternehmen wie uns – die Umsatzmilliarde ist in erreichbarer Nähe und wir haben unsere Mitarbeiterzahl in den letzten 10 Jahren verdoppelt, auf aktuell rund 4.700 Mitarbeiter. Aber die größte Aufgabe ist es für uns, nicht den Kontakt zum Kunden zu verlieren. Wir müssen uns immer wieder neu um unsere Kunden bemühen, um zu verstehen, was sie brauchen und um ihnen einen Mehrwert bieten zu können.

Dafür benötigen Sie sicherlich auch die richtigen Mitarbeiter – und dass auf jeder Ebene. Ist Fachkräftemangel dabei ein Thema?

Da wir dieses Thema schon sehr früh auf der Agenda hatten, ist der Fachkräftemangel für uns aktuell kein Problem. Zusammen mit anderen Firmen unterstützen wir beispielsweise einen eigenen Lehrstuhl an der Hochschule in Kempten, wir arbeiten sehr eng mit den Hochschulen in München und Weingarten zusammen und loben regelmäßig einen Preis an der Hochschule Weihenstephan aus. Schwieriger ist es für uns, Mitarbeiter zu finden, die bereit sind, in der Nachtschicht an der Fräsmaschine zu stehen. Generell haben wir aber sehr viele Maßnahmen für unsere Mitarbeiter implementiert, um diese zu gewinnen und langfristig an uns zu binden.

Wie sieht das genau aus?

Wir bieten neben vielen anderen Benefits unterschiedliche Arbeitszeitmodelle, ermöglichen unseren Mitarbeitern Arbeitsplätze im Home-Office sowie Sabbaticals und unterstützen sie z.B. mit Kindergartenplätzen in Wolfertschwenden. Wir lassen uns dabei auch gerne von den Mitarbeitern inspirieren. Die Generation Y hat zum Beispiel andere Ansprüche als andere Generationen. Da geht es darum, flexibel zu entscheiden, wie, wann und wieviel man arbeitet und darauf müssen wir eingehen, um diese Mitarbeiter zu halten. Dass unsere Bemühungen Früchte tragen, spiegeln unter anderem die Bewertungen auf dem Arbeitgeber-Bewertungsportal Kununu wider.

Und das, obwohl ihr Hauptsitz Wolfertschwenden auf den ersten Blick nicht so attraktiv wie beispielsweise eine Großstadt erscheint.

Ganz im Gegenteil! Der Standort ist ein Vorteil, weil er einen sehr hohen Freizeitwert bietet und hier noch manches erschwinglich ist, was man in Großstädten nicht mehr bezahlen kann. Die jungen Leute wollen Sport treiben, in die Berge gehen und sie profitieren von verbilligten Bauplätzen für unsere Beschäftigten. Außerdem haben wir Mitarbeiter, die in der weiteren Umgebung, etwa in Ulm, leben und nach Wolfertschwenden pendeln. Der Standort ist deshalb definitiv kein Nachteil.

"Unsere Strategie ist es nicht, unsere Mitarbeiter durch die Welt zu schicken. Das macht für uns weder ökonomisch noch ökologisch Sinn."

Um beim Thema Standort zu bleiben. MULTIVAC hat inzwischen mehr als 75 Standorte weltweit. Wie steht es da um die Mobilität der Mitarbeiter?

Unsere Strategie ist es nicht, unsere Mitarbeiter durch die Welt zu schicken. Das macht für uns weder ökonomisch noch ökologisch Sinn. Wir bevorzugen in der Regel lokale Mitarbeiter, die sich um die Kunden in ihren jeweiligen Märkten kümmern. Denn nur so können wir gewährleisten, dass nicht nur in der richtigen Sprache gesprochen, sondern vor allem der richtige Ton getroffen wird.

Kommen wir einmal zur IT. Manche internationalen Unternehmen setzen inzwischen auf Cloud-Lösungen für ihr Business und ihre IT-Infrastruktur. Ist das auch für MULTIVAC relevant?

Wir sind sehr vorsichtig was Cloud-Lösungen angeht, da wir extrem großen Wert auf Sicherheit und Datensicherheit im Speziellen legen. Seit Beginn dieses Jahres arbeiten wir jedoch mit der Messaginglösung Microsoft Exchange in der Cloud. Die Entscheidung dafür hat zugegebenermaßen sehr lange gedauert und es musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Was waren für Sie die entscheidenden Fragen?
Bleiben die Daten in Deutschland und wie werden sie gesichert.

"Das für uns aktuell viel spannendere Thema, wenn es um Digitalisierung geht, ist: Was passiert innerhalb der Maschine?"

Das heißt, alles andere bleibt Stand heute in Ihrem eigenen Rechenzentrum?
Ja, wir bauen gerade ein zweites Rechenzentrum hier in Wolfertschwenden, wo unsere Systemlandschaft für alle Standorte weltweit liegt. Wir verfolgen die Strategie: Alles Geschäftskritische bleibt bei uns, Geschäftsunkritisches darf irgendwann in die Cloud.

Alle Welt redet von „Digitaler Transformation“; im Bereich der Fertigungsindustrie auch gerne unter dem Stichwort „Industrie 4.0“. Sie auch?

Schaut man sich Werkzeugmaschinen oder Fertigungswerke an, die miteinander kommunizieren, erkennt man, dass es im Grunde nichts Neues ist. Wir haben gerade SAP APO (Advanced Planning and Optimization) eingeführt. Damit planen wir z.B. Kapazitäten über ganze Werksstrukturen hinweg – Industrie 4.0 ist also längst Alltag. Das für uns aktuell viel spannendere Thema, wenn es um Digitalisierung geht ist: Was passiert innerhalb der Maschine? Schon heute erzeugt eine Verpackungsmaschine eine große Anzahl an Informationen über den Verpackungsprozess und die Qualität der Verpackung, ebenso wie zur Performance der Maschine oder ihren Energieverbrauch. Über Sensoren werden immer mehr Informationen erfasst, verarbeitet und dem Kunden zu Verfügung gestellt.

Wie und mit welchem Ziel entwickeln Sie das weiter?

Wir haben eine große Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Wir arbeiten kontinuierlich an der Optimierung unserer Verpackungslösungen und werden beispielsweise auf der interpack 2017 eine komplett neue Maschinengeneration präsentieren. Das oberste Ziel ist dabei natürlich immer der Mehrwert für den Kunden.

"Ich behaupte, dass jeder, der dabei große Gefahren sieht, nur seine Chancen nicht wahrnimmt."

Sie sagten vorhin Datensicherheit spiele bei Ihnen eine große Rolle? Wie sieht es mit den von Ihnen angesprochenen Daten aus, die innerhalb der Maschinen erfasst werden?

Ja, das ist ein sehr großes Thema. Man darf dabei nicht außer Acht lassen, dass sehr viele Daten erhoben werden. Ein Beispiel: Die Verpackungsmaschine eines Wurstherstellers sammelt u.a. Daten darüber, wieviel Fleisch verarbeitet wird. Um einen ordentlichen Service zu gewährleisten, muss auf die Maschine zugegriffen und müssen diese Daten verwertet werden. Das besorgt den Kunden, da er befürchtet, die Daten könnten beispielsweise bei einem Mitbewerber landen. Wir müssen ihm diese Angst nehmen, indem wir diese Daten schützen und nur für diesen Kunden zugänglich machen.

Sehen Sie also auch Gefahren, die mit dieser Entwicklung einhergehen?

Wenn die angesprochenen Rahmenbedingungen stimmen, gibt es keine Gefahren sondern nur Herausforderungen. Ich behaupte, dass jeder, der dabei große Gefahren sieht, nur seine Chancen nicht wahrnimmt.

"Heutzutage brauche ich in jedem Bereich einen anderen Spezialisten."

Kommen wir nochmals zur Rolle der IT konkret in Ihrem Unternehmen: Wir beobachten bei vielen unserer Kunden, dass die Fachbereiche immer mehr Einfluss auf die IT-Entscheidungen nehmen. Umgekehrt verstehen sich immer mehr IT-Verantwortliche als „Business Enabler“: IT ist für sie kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck, genauer gesagt zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Würden Sie das auch so bestätigen, dass die Zusammenarbeit von IT und Fachabteilung immer wichtiger wird? Und finden Sie diesen Trend richtig?

Unbedingt richtig sogar. Denn die Fachbereiche nutzen die Lösungen und müssen daraus Produktivität generieren. Daher muss der Impuls von dort kommen und die IT als Enabler fungieren.

Wie sieht für Sie der perfekte strategische IT-Partner aus?

Ich glaube, dass sich auch da viel verändert. Heutzutage brauche ich in jedem Bereich einen anderen Spezialisten. Vielleicht gibt es den einen strategischen IT-Partner daher gar nicht mehr. Ich wünsche mir jedoch ein Beratungshaus, das versucht alle Themen zumindest ansatzweise zu kennen, Neuentwicklungen identifiziert und mit dem man sich regelmäßig produkt- und lösungsunabhängig austauschen kann. Ich muss dabei das Gefühl haben, dass sich jemand wirklich auskennt. Generell vertraue ich aber nicht nur einer Meinung, sondern höre mir mehrere an, bevor ich eine Entscheidung treffe.

Vielen Dank für das angenehme Gespräch.


Die MULTIVAC Gruppe auf einen Blick:

MULTIVAC ist einer der weltweit führenden Anbieter von Verpackungslösungen für Lebensmittel aller Art, Life Science- und Healthcare-Produkte sowie Industriegüter. Das MULTIVAC Portfolio deckt nahezu alle Bedürfnisse der Kunden hinsichtlich Packungsgestaltung, Leistung und Ressourceneffizienz ab und umfasst Vakuumverpackungsmaschinen, Traysealer, Tiefziehverpackungsmaschinen, Etikettierer, Qualitätskontrollsysteme und Automatisierungslösungen – bis hin zu schlüsselfertigen Linien.

  • Gründung 1961
  • 4.700 Mitarbeiter weltweit, davon 1.680 am Hauptsitz in Wolfertschwenden
  • mehr als 75 Tochtergesellschaften auf allen Kontinenten
  • mehr als 1.000 Berater und Servicetechniker weltweit


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